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Magie, Wunder und die Kraft der drei Monde

Schreiender Rabe
Ihre Götter können große Dinge tun.
Sie machen Felder fruchtbar, die zuvor öde waren.
Sie heilen Kranke und schützen die Geburt.
Aber in dieser Welt misst man Macht nicht daran,
ob es einem gegeben ist,
zu erschaffen,
sondern daran,
ob man zu zerstören vermag.
Elien Vitan, Schattenkönig von Ondrien –
Schreiender Rabe

Ja, es ist wahr, Junge Dame, alle Magie geht vom Leben aus. Um sie wirken zu können, muss der Zauberer Lebenskraft geben. Ein menschlicher Magier wird daher geschwächt, wenn er zaubert. Es kann vorkommen, dass er bei der Ausübung eines Rituals so angestrengt wird, dass er in Ohnmacht fällt. Man hat auch schon von großen Zaubern gehört, deren Preis das Leben des Zauberers ist.

Die Fayé haben einen anderen, dunkleren Pfad beschritten, um Magie zu wirken. Sie rufen Dämonen an, deren arkane Kräfte sie sich dienstbar machen. Um solchen Wesenheiten den Eintritt in die Welt der Sterblichen zu ermöglichen, ist wiederum Lebenskraft erforderlich. Diese wird durch Opferungen, vorzugsweise durch Menschenopfer, freigesetzt. Die Lebenskraft von Menschen scheint der Magie besonders förderlich zu sein, vielleicht, weil die Götter uns dieses Zeitalter zugedacht hatten.

Die mächtigsten Magier, da habt Ihr recht, sind die Osadroi, die Schattenherren. Viele von ihnen sind uralt und konnten die dunklen Künste über Jahrzehnte und Jahrhunderte studieren um sich Wissen anzueignen, das nie für Sterbliche gedacht war. Zudem ziehen sie die für ihre Rituale notwendige Lebenskraft aus ihren Opfern. Wir wissen nicht, wie genau dies geschieht. Die Mondschwerter glauben, dass sich die Osadroi von den Gefühlen der Menschen nähren, und hier gibt es wohl auch einen Zusammenhang zu der Kraft ihrer Zauber. Dabei scheint nebensächlich, ob es sich um panische Angst oder bedingungslose Liebe, um Ekstase oder Agonie handelt. Deswegen üben sich die Paladine darin, ihre Emotionen zu dämpfen, gleich, um welche Gefühle es sich dabei handelt.

Die Osadroi jedenfalls besitzen die Möglichkeit, vom Geist eines Menschen Besitz zu ergreifen und seine Emotionen anzufachen. Ich selbst war, den Göttern sei Dank, niemals bei einem solchen Vorgang zugegen, aber man sagt, dass die Gefühle, nach denen ein Osadro verlangt, einen Menschen verlassen und dann sichtbare Form annehmen, wie Nebel oder Schatten. Vielleicht nennen wir sie auch deswegen so, Schattenherren, nicht nur wegen ihrer Verbindung zur Finsternis. Wenn die Osadroi große Magie wirken, so sagt man, versammeln sie Menschen um sich, deren Emotionen sie über die Schatten trinken. Diese Lebenskraft nährt ihren Zauber, sodass sie mit fremdem Leben zahlen, nicht mir ihrem eigenen.

Ihr erkennt, Junge Dame: Es ist weise, sich von Magie fernzuhalten, vor allem von der besonders verderbten Art, die die Schattenherren wirken.

Sucht stets das Mondlicht, es schwächt die Kraft der Magie. Wenn alle drei Monde voll am Himmel stehen, kommen die zauberischen Kräfte zum Erliegen, stehen sie alle im Neumond, sind sie entfesselt. Dichte Wolken können die dämpfende Wirkung des Mondlichts abmildern, eine Abschirmung des Zaubernden durch Höhlen oder Gebäude jedoch nicht. Auf die Osadroi wirken die von den Monden hervorgerufenen Gezeiten der Magie stärker als auf menschliche Magier. Man raunt davon, dass die Macht der Schattenherzöge in Nächten dreifachen Neumonds göttergleich sei, während sie bei Tripelvollmonden in eine Starre fallen, noch tiefer als bei Tage.

Während die Osadroi und die Fayé von den Göttern verstoßen wurden, gewähren diese Wesenheiten uns Menschen ihre Gunst. Dies äußert sich in Gnadengaben und Wundern, die sie durch ihre Priesterschaften wirken. Im Gegensatz zur zerstörerischen Schattenmagie haben diese Wunder immer einen aufbauenden, einen schöpferischen Charakter – sie heilen, lassen wachsen, bringen Licht und Wärme.

Und so lautet mein Rat, Junge Dame: Flieht die Magier, aber begebt Euch in einen Tempel, wenn Sorgen Euer junges Herz umschließen.


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