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Epistula Corvi IX


Liebe Leserinnen und Leser,


heute ist Erstverkaufstag für Nordwärts, den ersten Band der Phileasson-Saga. Der namensgebende Protagonist dieses Epos’ ist Asleif ›Foggwulf‹ Phileasson, ein Kapitän aus Thorwal, dem rauen Land der Fjorde und Wälder, das an der Nordwestküste Aventuriens liegt. Mit seinem Drachenschiff, der Seeadler, hat er bereits viele unbekannte Küsten entdeckt, die Insel der Riesin Yumuda besucht und sogar zweimal das Meer der Sieben Winde überquert, um das sagenumwobene Güldenland zu erreichen. Davon zeugt auch die dreiäugige Maske, die seitdem das Drachenhaupt der Seeadler ziert. Niemand bezweifelt, dass er den größten Entdecker seiner Zeit vor sich hat, wenn er in Phileassons eisgraue Augen blickt.

NORDWÄRTS

Doch ist er auch der fähigste Drachenführer Thorwals, sodass er den Titel König der Meere führen darf?

Hier werden viele mit der Antwort zögern, denn es gibt noch einen anderen. Beorn Asgrimmson will keine bisher weißen Kartenbereiche mit Linien füllen. Seine Drachenschiffe liegen tief im Wasser, wenn sie den heimatlichen Hafen anlaufen. Spätestens seit dem tollkühnen Überfall auf Porto Paligan ist er unumstritten der erfolgreichste Plünderfahrer, der auf den Meeren rund um Aventurien kreuzt. Vor allem an den Küsten in der Nähe Al’Anfas fürchtet man ihn. Die Sklavenjäger aus jener Stadt nahmen ihm ein Auge. Seitdem nimmt Beorn der Blender ihnen beide, wo immer er sie trifft.

Die Oberste Hetfrau fordert die Entscheidung im Streit ihrer ehrgeizigen Drachenführer. Sie schickt sie auf eine Reise rund um den Kontinent Aventurien. Achtzig Wochen haben sie Zeit, um zwölf Aufgaben zu lösen, jede für sich eines Helden würdig. Für die erste davon lautet der Kurs: Nordwärts!

Aber es geht nicht allein um den Ruhm der Kapitäne und ihrer Schiffsgemeinschaften, in denen sich raue Nordleute und sittsame Geweihte, Magier und Ritter, Elfen und Skalden finden. An dieser epischen Wettfahrt, die schon bei ihrem Beginn zu einer Legende wird, sind auch andere Mächte interessiert. Auf ihrer Reise werden die Drachenführer so manches Meer durchfahren, sie werden sich der Klirrfrostwüste des hohen Nordens ebenso stellen wie dampfenden Dschungeln, glühenden Wüsten und zerklüfteten Gebirgen. Die Vielfalt Aventuriens wird ihnen offenbar werden. Und ohne, dass es ihnen bewusst wäre, wandeln sie von Beginn an auf den Spuren von etwas Anderem, Älterem, verloren Geglaubtem …


Wenn Sie mögen, liebe Leserinnen und Leser, begleiten Sie den Foggwulf und den Blender – oder, wenn Sie es lieber so betrachten wollen: Bernhard Hennen und mich – auf eine epische Reise durch die beliebteste Fantasywelt des deutschen Sprachraums. Denn Die Phileasson-Saga ist die Umsetzung einer der grundlegenden Abenteuer-Kampagnen des Rollenspiels »Das schwarze Auge«. Sie erfreut sich dort besonderen Zuspruchs, hat mehrere Auflagen erfahren und wurde immer weiter verbessert und angereichert. Ich hoffe, dass die Romanreihe ähnlichen Anklang finden wird, und freue mich, wenn Sie einen Blick in Nordwärts werfen. Auf www.phileasson.de finden Sie Informationen und auch einen speziellen Abschnitt zum ersten Buch mit einem Verweis zu einer elektronischen Leseprobe.

Was war

Wenn ich ein neu erschienenes Buch zum ersten Mal in den Händen halte, erinnere ich mich gern an den Entstehungsprozess. Bei der Phileasson-Saga scheint mir die Zusammenarbeit mit Bernhard Hennen besonders erwähnenswert, denn in dieser Form habe ich das als Autor noch nie erlebt. Üblicherweise ist die Schriftstellerei etwas für Eremiten. Man brütet über seiner Geschichte, schiebt Gedanken hin und her, konzipiert, verwirft, verbessert, tippt – und keinen interessiert’s. Jedenfalls nicht, bevor man das Manuskript an ein Lektorat schickt.

Phileassons Rundschild

Bei der Phileasson-Saga ist das anders. Wir haben die Szenen aufgeteilt, und natürlich schreibt zunächst einmal jeder seinen eigenen Part (jedenfalls fast immer – dazu komme ich nachher). Aber bei diesem Projekt werden bereits Zwischenstände ausgetauscht, wir kommentieren uns gegenseitig, schlagen Alternativen vor, telefonieren und treffen uns persönlich. Wenn der Schwerpunkt unserer Arbeit bei der Phileasson-Saga liegt, besucht Bernhard Hennen mich etwa alle zwei Wochen. Wir sitzen Seite an Seite vor den Monitoren, trinken Bananensaft, futtern lecker Kuchen und gehen Anmerkungen im Text durch. Dabei haben wir festgestellt, dass wir einen Hang zum gleichen, manchmal tiefschwarzen, Humor haben. Wir kannten uns bereits vor der Phileasson-Saga, die Szene der Fantasy-Schaffenden ist recht übersichtlich. Inzwischen sind wir Freunde.

Da Die Phileasson-Saga aus dem Rollenspielbereich Fans mitbringt, war das Interesse schon vor der Veröffentlichung des ersten Romans groß. Bernhard Hennen und ich trafen uns zu einem Hangout mit dem Phileasson-Projekt, zu dem es auch eine Videoaufzeichnung gibt. Über eine Audioverbindung habe ich mich dann später mit den Non Playable Characters unterhalten, auch das kann man sich anhören.

    

Mehr im Stillen haben ich an dem Science-Fiction-Roman gearbeitet, der nächstes Jahr bei Piper erscheinen wird. Er hat noch keinen definitiven Titel, nennen wir ihn vorläufig Das Volk der Leere.

SANGUIS B.

Ich mag das Genre Science-Fiction ebenso sehr wie die Fantasy. Als Robert Corvus durfte ich einige Beiträge im Umfeld von Perry Rhodan schreiben, als Bernard Craw habe ich mich bei BattleTech umgetan, sogar meinen Erstling Sanguis B. kann man – je nachdem, wie man die Genregrenzen zieht – zur Science-Fiction zählen. Nun eine eigenständige Space Opera vorlegen zu dürfen, freut mich sehr. Raumschiffe, Sterne, fremde Planeten, Aliens … Das sind Dinge, die mich schon als Kind fasziniert haben, die aber auch Fragen beinhalten, die den Kern unseres Menschseins berühren. Was erwartet uns dort draußen? Ist die Existenz unser Spezies auf die Lebensdauer unserer Sonne begrenzt? Sind wir allein im Universum? Woher kommen wir – wohin gehen wir?

Natürlich sind auch technische Fragestellungen bei der Science-Fiction bedeutsam. Beispielsweise möchte ich beim Leseerlebnis präsent halten, dass sich Raumschiffe in einer fremden Umgebung bewegen, eben dem Leerraum. Ich hoffe, dass mir das dadurch gelingt, dass ich eine übliche Annahme der Science-Fiction aufhebe. Auf meinen Schiffen gibt es – im Gegensatz zu den meisten Filmen und den meisten Romanen – keine künstliche Schwerkraft. Meine Protagonisten bewegen sich über weite Strecken der Handlung in der Schwerelosigkeit. Entsprechend sind auch die Raumschiffe gebaut. Es gibt weder Fußboden noch Decke, nur gleichberechtigte Wände. In einer solchen Konstruktion scheint ein Raum mit rechten Winkeln nicht sinnvoll, zu viel Platz geht in den Ecken verloren. Die Röhrenkonstruktionen unserer heutigen Raumstationen sind aber bei Großraumschiffen ebenfalls ineffizient – ebene Flächen haben praktische Vorteile. Deswegen gibt es an Bord der MARLIN – so heißt eines meiner Raumschiffe – primär zwölfwandige Räume, ein guter Kompromiss aus Hohlkugel und geraden Flächen. Und das ist nur eine von vielen Implikationen, die sich aus den Grundannahmen ergeben, die man bei einer SF-Geschichte trifft. Andere Vorüberlegungen drehen sich um soziologische Fragen zukünftiger Gesellschaften, beispielsweise um mögliche Regierungsformen. Daraus habe ich ein Video destilliert:

ROTES GOLD

Deutlich vor Das Volk der Leere wird Rotes Gold erscheinen, der Auftaktband meiner Schwertfeuer-Saga, in der es um Söldner, Feuer und Dämonen geht. Hier waren die vergangenen Wochen von der Lektoratsarbeit geprägt. Meine Lektorin bei Piper Fantasy und ich sind ein sehr gut eingespieltes Team. Das bedeutet nicht, dass meine Manuskripte unbesehen durchflutschen würden – eher im Gegenteil, beim ersten Lauf zeigte die Textverarbeitung etwa 2.700 Verbesserungsvorschläge an. Das muss man relativieren, weil jede einzelne Änderung gezählt wird. Wenn etwa »der große Mann« durch »Fred, der Schlächter« ersetzt wird und in einem Kommentar eine Erläuterung steht, wieso diese Variante besser ist, dann sind das eine Löschung + eine Einfügung + eine Anmerkung = drei Zähler. Dennoch sind 2.700 Vorschläge in einem Manuskript von etwas über 800.000 Anschlägen Länge (ca. 530 Seiten) eine Menge, und das ist gut so. Wir führen die richtigen Diskussionen, zum Wohle des Textes und damit (hoffentlich) zum Vergnügen der Leserschaft. Allgemein gelte ich als Autor, »bei dem kaum noch etwas zu tun ist« (die Rechtschreibkorrekturen machen zum Beispiel weniger als fünf Prozent der Anmerkungen aus). Meine Lektorin kommentiert bei mir aber recht ausführlich, weil sie, wie sie im Abschlusstelefonat meinte, den Eindruck hat, ich würde das wertschätzen. Das stimmt. Tatsächlich fühle ich mich nach jedem Lektoratsdurchgang ein bisschen schlauer.

Was ist

Das Lektorat zu Rotes Gold ist abgeschlossen, das Manuskript befindet sich beim Setzer. Ich werde also bald die Umbruchfahne zur Durchsicht bekommen. Außerdem ist das Kartenmaterial in Auftrag gegeben und auch den Text auf dem Backcover müssen wir nun finalisieren.


Kurd Laßwitz Preis

Derweil sind meine beiden Romane aus dem letzten Jahr für Preise nominiert.

GRAUWACHT

Bei Grauwacht ist das der Kurd Laßwitz Preis, die wichtigste Auszeichnung für deutschsprachige Science-Fiction. Man mag sich fragen, wieso ein Buch, das in einem Fantasy-Programm erschienen ist, für einen solchen Preis vorgeschlagen ist. Tatsächlich ist Grauwacht ein Grenzgänger – was man aber vermutlich erst bemerken wird, wenn man die Hälfte der Geschichte gelesen hat.

Die Modalität beim Kurd Laßwitz Preis entspricht jener der Academy Awards, also der Oscars in der Filmindustrie. Man muss sich qualifizieren, um mit abstimmen zu dürfen. Als Autor erreicht man diese Qualifikation beispielsweise durch die Veröffentlichung von zwei SF-Romanen. Das habe ich 2012 mit Präludium geschafft, seitdem bekomme ich die Vorschlags- und Wahlunterlagen zugeschickt. In der Nominierungsrunde muss ein Werk in der Regel zweimal genannt werden, um auf die Wahlliste zu kommen. Das ist bei Grauwacht gelungen. Nun dürfen die Wahlberechtigten aus zehn nominierten Romanen wählen.

Skoutz

DRACHENMAHR

In einem Feld von zwölf Nominierten befindet sich Drachenmahr, und zwar beim Skoutz-Award. Dort steht der Roman auf der Midlist für Fantasy. Aus dieser Midlist ist nun eine Shortlist zu wählen. Das funktioniert in einer Kombination aus Juryarbeit und Publikumsbeteiligung. Zur Vorbereitung der Abstimmung habe ich einen Fragebogen zu Drachenmahr beantwortet, und ein kleines Video gedreht, in dem ich mich vorstelle.

Während Nordwärts den Weg in die Buchhandlungen bereits gefunden hat, schwenkt unser Arbeitsschwerpunkt zu Himmelsturm, dem zweiten Band der Phileasson-Saga.

HIMMELSTURM

Diese Arbeit sah eine Premiere: Erstmals habe ich gemeinsam mit einem anderen Autor eine Szene für eine professionelle Veröffentlichung geschrieben. Damit meine ich nicht, dass wir zusammen eine Szene optimiert hätten – das machen Bernhard Hennen und ich immer. Aber üblicherweise entsteht der Rohentwurf doch in einer stillen Kammer, entweder bei ihm oder bei mir, der jeweils andere macht Anmerkungen und wir gehen die diskussionswürdigen Punkte in einem separaten Arbeitsschritt gemeinsam durch. Dieses Mal jedoch flimmerte auf dem Bildschirm vor uns eine leere Seite, weiß und unberührt. Wir bauten die Szene zusammen auf, Stichworte füllten die Bildschirmanzeige. Und dann kam die Rohfassung, der echte Text entstand, Satz für Satz. Manche davon hat Bernhard diktiert, andere ich, und viele wurden sozusagen noch in der Luft umgestellt, mündlich gedreht und geknetet, bevor die Tasten gedrückt wurden. Eine interessante Erfahrung.

Auch sonst haben wir inzwischen alle Hemmungen abgelegt, die Texte des jeweils anderen umzustellen und zu ergänzen. Ich empfinde das als positiv: Die Gedanken des einen inspirieren den anderen. So finden sich – neben den üblichen, punktuellen Vorschlägen – plötzlich zwei brandneue Seiten in einer Szene. Was zuvor nur in einem Absatz angedeutet wurde, ist nun ausführlich geschildert.

Witzig sind oftmals die Punkte, in denen wir nicht sofort übereinstimmen. So wollte ich der Traviapriesterin Shaya einige orangefarbene Schleifen an ihrem Rucksack gönnen. »Das ist zu extrem!«, befand Bernhard Hennen – der aber keine Hemmung zeigt, Sympathieträgern diverse Extremitäten abzuschneiden. Dass der Herr der Elfen seine schützende Hand über das spitzohrige Volk hält, kann dagegen kaum verwundern. So bleibt Salarin der klangvolle Beiname »der-ohne-Knochen-kroch« erspart.

Was wird

Weißes Gold liegt bereits im Vorlektorat. Einige Auszüge haben den Weg zu den Vertretern des Piper Verlags gefunden, sodass diese dem interessierten Buchhändler erzählen können, wie meine Schwertfeuer-Saga weitergehen wird. Erscheinungstermin ist der Jahreswechsel, das ist noch eine Weile hin. Deswegen kann es ein paar Wochen dauern, bis ich eine detaillierte Rückmeldung bekomme.


Auch Die Wölfin, der dritte Band der Phileasson-Saga, soll zum Jahreswechsel erscheinen. Mein Beitrag dazu liegt bereits in der Rohfassung vor. Das reicht aus, um vorauszusehen, dass auch dieses Abenteuer des Foggwulfs Überlänge haben wird. Diesmal geht es eine weite Strecke über Land, eine Seuche und ein Viehtrieb stehen an – und ein Zauberwald. Jedenfalls wird Bernhard sich nun ebenfalls in den Sattel schwingen, sodass bald seine Anmerkungen zu meinen Szenen und dann die von ihm geschriebenen Stellen eintreffen werden.

Drachenwinkel

Während wir kreativ in den dritten Band einsteigen, gilt es, das Erscheinen des ersten zu begleiten. Die Auftaktlesung wird im Drachenwinkel in Dillingen/Saar stattfinden, und zwar am Freitag, 29. April, um 20:00 Uhr. Auch im Internet kann man in intensiven Austausch mit uns Autoren, vor allem aber mit anderen Leserinnen und Lesern treten. Die Leserunde zu Nordwärts startet am 13. Mai, und wer sich bis zum 29. Mai anmeldet, kann sogar ein Freiexemplar gewinnen. Aus dem speziellen Live-Event, das ich in der letzten Epistula Corvi erwähnt habe, wird vorläufig leider nichts. Aber die Idee ist in der Welt, und wenn sich eine günstige Konstellation ergibt, werden wir sie auch realisieren.

leserunden.de


Für die Leserunde zu Rotes Gold kann man sich ebenfalls schon anmelden. Hier geht es am 10. Juni los, also praktisch unmittelbar nach Erscheinen des Romans.


Kurzfristig stehen für mich weitere Überarbeitungen an – das Lektorat zu Himmelsturm, das gemeinsame Feilen an Die Wölfin, die Durchsicht der Umbruchfahne zu Rotes Gold. Aber dazwischen – und erst recht, wenn diese Dinge abgeschlossen sind – leuchten wieder die Sterne meines Science-Fiction-Romans. Das Volk der Leere möchte, dass ich seine Geschichte erzähle. Eine Einladung, der ich gern folgen werde.


Ob Sie im Schein einer Fackel, im Licht der Sterne oder ganz gemütlich im Lesesessel Ihrer Lektüre nachgehen – ich wünsche Ihnen viel Vergnügen dabei.



Robert CorvusBernard Craw




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