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Epistula Corvi XII


Liebe Leserinnen und Leser,


seit 2013 bin ich nun freiberuflicher Schriftsteller. Inzwischen haben sich drei Säulen herausgebildet, auf denen meine Karriere ruht.

Im Umfeld von PERRY RHODAN darf ich immer wieder einen Beitrag einbringen. Das schätze ich nicht nur wegen der Berechenbarkeit, was Termine und Einkünfte angeht, sondern auch, weil es mir etwas bietet, das für einen Schriftsteller selten ist: Teamarbeit. Bei PERRY RHODAN werkele ich in einem etablierten Netzwerk von Exposéautoren, Chefredakteur, Fact Checker, Lektor, Zeichnern, Marketingverantwortlichen und Dutzenden weiteren, das nach immer denselben Abläufen funktioniert. Man fokussiert sich auf die aktuell anstehenden Romane, arbeitet diese professionell und in kurzer Zeit ab – und dann sind sie erledigt, »die Karawane zieht weiter«, das Projekt ist abgeschlossen. Bis ich wieder anklopfe und den Zuschlag für einen weiteren Auftrag erhalte …

Bei Piper genieße ich die maximale Entfaltungsfreiheit. Hier baue ich ganze Welten, veröffentliche Zyklen und Einzeltitel, kann mal düster und mal hoffnungsfroh, mal actionbetont und mal rätselhaft schreiben.

Und bei Heyne findet Die Phileasson-Saga immer mehr Fans. Hier schätze ich die enge Zusammenarbeit mit Bernhard Hennen, die es in dieser Form ansonsten wohl kaum gibt. Einzelne Szenen beginnen wir sogar gemeinsam auf dem leeren Blatt, um uns dann unsere Ideen für den jeweils nächsten Satz zuzuwerfen.

In jedem dieser Bereiche stehen Neuerscheinungen an, auf die ich in dieser Epistula Corvi eingehe.

Viel Arbeit ist bereits getan, denn der Schreibzeitraum liegt oft Monate vor dem Veröffentlichungstermin. Wenn man dies berücksichtigt, kann nicht verwundern, dass ich mich trotz vieler in Kürze erscheinender Titel gerade freischwimme, was meine Abgabetermine angeht. Ich habe ein erfreuliches Auftragspolster, aber die dringenden Dinge werden bald erledigt sein, ich kann manövrieren … Bisher habe ich solche Spielräume stets genutzt, um Neues auszuprobieren. Ich wäre verwundert, wenn es diesmal anders käme.

Was war

Im Spätsommer und Frühherbst war ich viel on tour, und zwar auf ganz unterschiedliche Weise. Zum Beispiel gab es eine Lesung im kleinsten (Freundes-)Kreis, als ich einer Einladung zu einer Grillhütte in Leiwen bei Trier gefolgt bin. Das ermöglichte einen intensiven Austausch, bei dem ich auch mein Publikum kennenlernen durfte.

Der ElsterCon dagegen hat sich wieder als führendes Treffen in der Science-Fiction-Literatur im deutschsprachigen Raum bewiesen. Hier habe ich erstmals meinen Verlagskollegen Andreas Brandhorst getroffen, der den Kurd-Laßwitz-Preis für den besten Roman bekam. Verdient, wie ich nun beurteilen kann, habe ich Das Schiff doch inzwischen lesen können. Dies ist eine faszinierende Geschichte nicht nur über die Ausdehnung der menschlichen (oder post-menschlichen?) Zivilisation ins Weltall, sondern auch über die Ungerechtigkeit des Todes.

Dieses Thema konnte ich auch in einem Interview vertiefen, das Andreas Brandhorst mir zwei Wochen später gab. Wir waren in Wien, wohin der dortige PERRY-RHODAN-Stammtisch zum AustriaCon geladen hatte. Allerlei Prominenz, aber auch viele Fans sind dem Ruf in die Donaumetropole gefolgt. Zur Eröffnung erschien sogar der mongolische Botschafter, liegt doch Terrania, Perry Rhodans fiktive Welthauptstadt, nahe an Ulan Bator … Jedenfalls hat mich auf dieser Convention die Interviewwut gepackt, und so findet sich auf meinem Videokanal neben einem kurzen Bericht auch vier Stunden Interviewmaterial mit Autoren, Verlegern, Veranstaltern und Besuchern.

     

     

Die RatCon wiederum ist eindeutig den Rollenspielern gewidmet, besonders jenen, die sich für ›Das schwarze Auge‹ interessieren. Deswegen bekam ich dort einige der Leute vor die Kamera, die sonst im Verborgenen wirken – als Fact Checker und Illustratoren, die uns bei der Phileasson-Saga helfen.

Bei dieser hat sich inzwischen als Bestandteil unserer gemeinsamen Lesungen etabliert, dass Bernhard Hennen die Ausgänge bewacht, während ich singe. Neuerdings singt das Publikum sogar mit. Das haben wir mittlerweile dreimal exerziert, und jedes Mal waren wir beeindruckt von der wahrhaft thorwalschen Stimmgewalt unserer Fans.

Akustisch ging es bei der Leserunde zu Himmelsturm ruhiger zu. Inhaltlich wurde jedoch wieder angeregt diskutiert. Ich liebe dieses Format, und entsprechend eifrig beteilige ich mich am Austausch.

Die Frankfurter Buchmesse ist natürlich noch einmal eine ganz andere Nummer. Die Buchbranche feiert mit der Leserschaft und mit sich selbst, Tausende Autoren schwimmen in der Masse mit. Für mich war es primär ein Fachtermin, bei dem ich – recht erfolgreich – über laufende und mögliche zukünftige Projekte plaudern konnte.

Die Abonnentenzahl meines Videokanals wächst derweil erfreulich an, was auch einer Werbeaktion zu verdanken ist. Neben den Schreibzeichen, in denen ich aus meinem Arbeitsleben berichte, habe ich auch einige Videos zu zeitlosen Themen hochgeladen, die meine Zuschauer sich gewünscht haben. Darin geht es um Hochliteratur versus Unterhaltungsliteratur, Die Szene und Die Dreiaktstruktur.

Auf die Entwicklungen in meiner Schriftstellerkarriere habe ich mit einem Agenturwechsel reagiert, nun vertritt mich die Agentur Kossack in Hamburg. Für die Präsentation auf deren Seite habe ich einige professionelle Fotos machen lassen. Bei Foto Kuhweide hier in Köln hatte man Spaß daran, nach vielen Ärzten und Anwälten mal einen Dark-Fantasy-Autor abzulichten. Man hat sogar ein Schaufenster mit einem der Bilder dekoriert – zu Halloween wurde es großformatig auf Leinwand gezogen …

Was ist

Mein erster Roman in der Welt von Das schwarze Auge trägt den Titel Todesstille und handelt von einer abgelegenen Ruine und einer Klostergemeinschaft des Totengottes. Er erschien 2009, und nun, nach sieben Jahren, hat sich das Lager geleert. Im f-shop von Ulisses ist der Titel nicht mehr lieferbar. Wer also noch ein neuwertiges Print-Exemplar ergattern möchte, sollte zugreifen, wenn er noch ein Exemplar in einer Buchhandlung erspäht.

Meine neueste Geschichte in derselben Welt ist Die Phileasson-Saga. Zwei Bände sind bereits erhältlich, der dritte – Die Wölfin – wird zu Weihnachten erscheinen. Bernhard Hennen und ich begleiten die Reihe mit unseren Auftritten auch durch den Winter:

Am Mittwoch, 9. November, wird man uns ab 20:00 live im Internet sehen, und zwar auf dem Twitch-Kanal von Orkenspalter.TV. Diesmal wird mit Eevie Demirtel auch die zuständige Rollenspielredakteurin mit von der Partie sein. Man kann live oder im Vorfeld (talk@phileasson.de) Fragen stellen.

In persona werden wir auf dem DreieichCon am 19. November sein – mit Lesungen, einer Podiumsdiskussion und anschließend sogar noch bei Kaffee und Kuchen.

Am 15. Dezember findet man uns dann zur offiziellen Premierenlesung von Die Wölfin in der Spielzeit in Krefeld.

Und rechtzeitig zu Weihnachten startet die zugehörige Leserunde – wer sich schnell anmeldet, kann sogar ein Freiexemplar gewinnen.

Bei PERRY RHODAN erscheint mit den Nummern 2884 und 2885 mein zweiter Doppelband in der Hauptserie. Auch das feiere ich mit einer Lesung, und zwar im Kölner Hiveworld am Dienstag, 29. November um 19:30. Norbert Mertens wird den Abend fachkundig moderieren.

Mein Arbeitsschwerpunkt liegt derzeit in meinen ganz eigenen Welten, sprich bei den Büchern, die ich bei Piper veröffentlichen darf.

In der Fantasy ist das Die Schwertfeuer-Saga. Der zweite Band, Weißes Gold, ist beinahe fertig lektoriert, hier steht noch das Abschlusstelefonat an. Zu diesem Buch wird es noch eine kleine Begleitveröffentlichung geben … Und im Sommer werden wir mit Grünes Gold fortsetzen. Diese Geschichte schreibe ich gerade, die erste Szene ist im Kasten und ich kann versprechen, dass es actionreich losgeht.

In der Science-Fiction hat bei meinem Buch Feuer der Leere (bisher mit dem Arbeitstitel Das Volk der Leere geführt) das Lektorat gerade begonnen. Alle Beteiligten erwarten Großes von dieser Geschichte, und so ist sie in der soeben veröffentlichten Verlagsvorschau auch als Spitzentitel hervorgehoben.

Was wird

Ich möchte Die Schwertfeuer-Saga weiter ausbauen. Zwar ist die Trilogie die klassische Veröffentlichungsform der Fantasy, aber davon habe ich mich noch nie beeinflussen lassen. Der Isenborn-Zyklus hat vier Teile, Die Türme von Taladur sechs, Die Phileasson-Saga ist auf zwölf ausgelegt. Bei den Schattenherren sah das Konzept direkt drei Bände vor, aber die Söldner des Klingenrauschs werden auch noch einen vierten und einen fünften Kontrakt annehmen, sofern sie es weiterhin schaffen, nicht nur Ruhm und Silber, sondern auch die Lesergunst zu erkämpfen. Bei Weißes Gold werde ich das zeitnah nach Erscheinen mit einer Leserunde überprüfen.

Bei Feuer der Leere bin ich sehr gespannt. Ich habe Battletech und PERRY RHODAN geschrieben, aber wie wird meine eigenständige Science-Fiction ankommen? Von der Gestaltung her hat dieses Buch alle Chancen, mein bisher schönstes zu werden, handelt es sich doch um eine Klappbroschur. Es bekommt also einen festeren Umschlag. Wird mein Publikum bereit sein, den etwas höheren Preis dafür zu zahlen? Immerhin ist der Roman auch etwas länger als gewohnt …

In früheren Jahren galt die Science-Fiction im deutschen Sprachraum als ›schwer vermittelbar‹, aber der Wind scheint sich zu drehen. Auf der Frankfurter Buchmesse waren SF-Stoffe sehr gefragt, sogar noch mehr als Fantasy, was ich in dieser Form das erste Mal erlebe. Auch deswegen blicke ich frohgemut auf den März – Feuer der Leere hat die besten Startbedingungen. Ach ja: Eine Leserunde dazu wird es ebenfalls geben, auch wenn sie auf der Plattform noch nicht angekündigt ist.

Bei der Die Phileasson-Saga gehen wir nach drei Veröffentlichungen kurz hintereinander (wenn man Die Wölfin mitzählt) in einen etwas ruhigeren Taktschlag über. Silberflamme wird erst im Spätsommer 2017 erscheinen (obwohl das Manuskript schon recht weit ist), und danach wollen wir gern zwei Bände pro Jahr veröffentlichen. Nach Adam Riese läge die Reihe damit 2021 vollständig vor. Aber nicht nur die Gewässer, die der Foggwulf und der Blender befahren, sondern auch jene des Autorenlebens sind voller Abenteuer, und so dürfen wir uns überraschen lassen, ob es wirklich so kommen wird.

Ungewiss sind auch die unbekannten Küsten, die in meiner Schriftstellerei noch vor mir liegen könnten. Vielleicht ein Drehbuch, vielleicht ein Ausflug in die allgemeine Belletristik oder das Jugendbuch … aber alles zu seiner Zeit.


Was jedoch sicher ist, sind die dunklen Wintertage, die vor uns liegen. Da lockt es einen früh in den Lesesessel – und wenn Sie dann zu einem meiner Bücher greifen, machen Sie mir damit eine Freude.



Robert CorvusBernard Craw




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