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Epistula Corvi LXV


Liebe Leserinnen und Leser,


Kachel mit DER ERWÄHLTE und DER BOTSCHAFTER

langsam, aber sicher naht der Herbst und damit die Erntezeit für Kartoffeln und Mais. Bei mir auf dem Land merkt man deutlich, dass das Leben seinen Takt ändert. Zwar ist noch nicht alles getan, aber das Ende der arbeitsamen Monate rückt näher. Die Dürre dieses Sommers hat uns gefordert. Dennoch wird es für die meisten von uns ein gutes Jahr werden, denke ich.

Mit meinen Vorhaben ist das ähnlich. Mit der Installation meiner Wärmepumpe nähert sich das letzte Großprojekt in meinem Anwesen der Vollendung. Die hier zuständigen Finanzämter (Mehrzahl ...) und ich finden einen modus vivendi. Die Literatur im Lindenwirt ist sowohl lokal als auch regional etabliert (es würde wohl alle überraschen, wenn es keine Saison 2027 gäbe). Nicht zuletzt ist Gottes Ebenbilder nun vollständig veröffentlicht, nachdem vorgestern der zweite Teil, Der Botschafter, erschienen ist – jedenfalls im eBook. Das markiert für mich auch den Punkt, an dem ich ernsthaft ins aktive Schriftstellerleben zurückkehren kann.

Sprich: Ich freue mich auf die noch ausstehenden LiLi-Veranstaltungen, aber auch auf die Winterzeit, in der ich im Kern meines Berufs, dem Schreiben, wesentlich vorwärtskommen möchte.

Insgesamt fühlt es sich für mich so an, dass die Mühen der vergangenen knapp zwei Jahre Früchte tragen. Ich denke, das wird auch bald sichtbar werden – in Form neuer Bücher.



Was war


Corvus liest

Bei LiLi haben wir uns für den Juli auf Michael Marcus Thurner gefreut, der aber leider aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. Auch an dieser Stelle herzliche Genesungswünsche! Den angesetzten Lesungstermin habe ich selbst bestritten. Zwar konnte ich nicht mit Motorradabenteuern dienen, aber immerhin mit Geschichten, die von meinen Reisen inspiriert wurden.

Im August war Bernhard Hennen zu Gast, der bei über dreißig Grad auf meinem Rasen mit Kettenhemd und Schwert ein zweistündiges Vorprogramm bestritt, bei dem man nicht nur etwas übers Fechten lernen, sondern selbst Hand anlegen konnte. Bei dieser Lesung gab es auch das angekündigte Phileasson-Revival, und was soll ich sagen: alte Recken wie in alten Zeiten ...


Auch das Westernprojekt, das ich gemeinsam mit Bernhard Hennen angegangen bin, ist schriftstellerisch abgeschlossen. Es wird zum Monatswechsel Oktober/November als Heftroman in den Handel kommen – die ersten zarten Vorankündigungen hat der Verlag bereits ins Netz gestellt.


Eine besondere Reise in die Vergangenheit war für mich das Fest der Fantasy. Dabei handelt es sich um das Haupttreffen der Fellowship of the Lords of the Lands of Wonder, bei der ich viele Jahre Mitglied war. Dort habe ich auch meine frühesten Gehversuche als Schriftsteller getan, im Vereinsmagazin erschien mein erster Roman unter dem nicht gerade dezenten Titel Angriffskrieg. Es war eine ganz besondere – und angenehme – Erfahrung, nach etwa zwei Jahrzehnten einige Tage mit den Weggefährten von einst zu verbringen. Erstaunlich, dass trotz dieser langen Unterbrechung unmittelbar wieder tiefe Gespräche möglich waren, wie ich sie selten führe. Und ebenfalls schön zu sehen, wie eine neue Generation die Fellowship auf ihre eigene Weise prägt. Leben ist Veränderung.


Was ist


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Gottes Ebenbilder liegt vollständig vor, jedenfalls als eBook. Zur Feier dieses Ereignisses gibt es den ersten Band, Der Erwählte, aktuell zum reduzierten Preis.

Seit 2011 schlummerte diese Geschichte auf meiner Festplatte, und ich merke, wie ihr ›Auszug in die Welt‹ eine Kammer in meinem Kopf leert. Ich bin gespannt, wer dort einziehen wird.

Der kommerzielle Erfolg ist, jedenfalls derzeit, überschaubar, was ich auf verschiedene Faktoren zurückführe. Ich bin als Selfpublisher nicht etabliert, aber noch wichtiger: Meine Fanbasis ist fragmentiert. Genauer werde ich das in einem Audioimpuls für meine Unterstützer auf Patreon ausbreiten.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich im Buchhandel derzeit nicht nennenswert präsent bin. Die Phileasson-Saga wird man noch am ehesten finden – aber nur, wenn man in den Regalwänden danach sucht. Sternenbrücke als meine jüngste eigenständige Verlagsveröffentlichung kam 2022, ist also auch kein Titel mehr, der aktiv angepriesen würde. Sprich: Ich war zwar im Bereich Heftroman und Taschenheft recht umtriebig, aber im Buchmarkt ist die Kontinuität aktuell abgerissen. Man (wer immer ›man‹ ist) wartet nicht mehr auf den nächsten Corvus; das ist anders als zu den Zeiten, als zwei Titel von mir pro Jahr in den Handel kamen.

Letztlich bedeutet das für mich: Ich muss mich neu erfinden. Gottes Ebenbilder ist dafür ein wichtiger erster Schritt, aber keinesfalls die Ziellinie.


Was gibt es aktuell noch zu berichten?

Ich schreibe fleißig Förderanträge, denn an den Zuschüssen, das habe ich gelernt, hängt die Existenz einer Kulturveranstaltung wie Literatur im Lindenwirt. Ich habe mit Kolleginnen und Kollegen geklärt, wer Interesse an einem Auftritt hat, und nebenbei erfahren, dass Bühnen-Entertainer honorarmäßig in einer anderen Liga spielen als Autoren (denen ich nach VS-Empfehlung 500 Euro zahle – ein Angebot, das besagte Entertainer nahezu als Beleidigung auffassen müssen).

Jedenfalls brauche ich Förderung für die Lesungsreihe 2027, die unter dem Motto Weltblicke stehen soll. Und mit viel Glück bekomme ich zusätzlich Unterstützung dafür, meinen Saal winterfester zu machen, was eine ganzjährige Nutzung auch für kleinere Veranstaltungen ermöglichen würde. Dabei könnte mir die EU unter die Arme greifen ... vielleicht ... mal sehen, wie weit ich mit meinen Förderanträgen komme.

LiLi

Derweil bereite ich die letzten LiLi-Termine für dieses Jahr vor:

Da sich aber eine gewisse Routine entwickelt hat, verursachen diese späten Termine wesentlich weniger Aufwand als der Beginn der Lesungsreihe.


Eine besondere Erwähnung verdient der Blog Elchi’s World of Books and Crafts. Nicht nur war die Betreiberin bei mehreren LiLi-Lesungen zu Gast – sie begleitet die Reihe auch mit Berichten von den Veranstaltungen und sogar jeweils einem Interview mit jeder und jedem, die/der hier auftritt. So kann man sich vor der Lesung hervorragend einstimmen. Vielen Dank dafür!


ChatGPT

ChatGPT ist mir zu einer so großen Hilfe geworden, dass ich mich zuweilen wundere, wie ich ohne diese Anwendung ausgekommen bin. Ich benutze sie explizit nicht für den kreativen Teil meiner Textarbeit, aber für alles andere.

So hat mir die KI nach meinem Anforderungsprofil einen Wischroboter empfohlen, der vergangene Woche bei mir eingezogen ist.

Sie wusste, wie ich die Pumpe in meinem Garten zerlegen musste, um den Fehler zu finden, dessentwegen sie kein Wasser mehr ansaugte.

Sie prüft meine Förderanträge auf Konsistenz über mehrere Formulare hinweg – da kommen eine Menge Kalkulationen und Daten zusammen.

Bei der Recherche zu Die Nacht der Götter fand sie heraus, welche Speisefolge bei einem Empfang in einem wohlhabenden Bürgerhaus in London 1903 üblich war.

Sie fand Tippfehler in Der Erwählte. Leider bin ich erst nach Veröffentlichung darauf gekommen, sie korrekturlesen zu lassen – die ersten Auslieferungen des eBooks enthalten die Korrekturen daher noch nicht. Dass ChatGPT auch die Handvoll Fehler gefunden hat, die aufmerksame Leser mir gemeldet haben (ja, alle davon), stärkt mein Vertrauen. Und ich bin froh, dass ich die Korrekturen vor Drucklegung des Hardcovers hatte.


Von einem anderen Vorhaben, das ich in der vorigen Epistula Corvi erwähnte, habe ich Abstand genommen: Dieses Jahr werde ich keine Recherchereise nach Polen unternehmen. Ich muss erst konsolidieren. Aber 2027 könnte es klappen.

Was wird


Lokschuppen_Rosenheim

Ab und zu gehe ich noch selbst auf Lesetour. Beispielsweise zieht es mich diesen Monat nach Rosenheim, wo vom 18. bis 20. September zum zweiten Mal das Fantasy-Lesefestival stattfinden wird. Meine Auftritte liegen am Samstag, aber ich werde an allen Tagen anzutreffen sein.


Auch zum BuCon und zum DreieichCon – beide in Dreieich bei Frankfurt – plane ich zu reisen. Die Links zu allen Veranstaltungen findet man auf meiner Terminseite.


Ein neues Literaturformat stößt auf Interesse: der Lesezirkel im Lindenwirt. Ich stelle mir vor, dass wir uns alle zwei Monate bei mir treffen und einen Abend lang über ein Buch diskutieren, auf das wir uns beim jeweils vorigen Treffen geeinigt haben. Den Anfang macht Im Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque.


Gottes Ebenbilder ist nicht nur im eBook erschienen – zugleich befindet sich das Hardcover im Druck. Es fasst beide Bände zusammen und wird (hoffentlich) insgesamt ein sehr schönes Buch. Jedenfalls habe ich mir viel Mühe damit gegeben. Es wird 25 Euro kosten und auf 100 nummerierte Exemplare limitiert sein. Ich denke, dass es bis Ende des Monats bei mir eintreffen wird. Zuerst werde ich meine Patrons versorgen, danach kann man es in meinem Webshop ordern – und hoffentlich wird es auch in einer sehr speziellen Buchhandlung in Berlin ausliegen. Bevor ich mich traue, es dorthin zu schicken, will ich mich aber selbst von der Qualität des fertigen Produkts überzeugen.

Die Taschenbuchausgabe – zwei Bände, die vermutlich jeweils 12,50 Euro kosten werden – ist vorbereitet und wird wahrscheinlich im Dezember erhältlich sein. Ich plane eine Veröffentlichung bei BoD, sodass die Bücher in jeder Buchhandlung bestellbar sein sollten.


Noch älter als das Manuskript zu Gottes Ebenbilder ist das zu Raubtiere. Ich habe es im Sommer 2002 geschrieben. Zu den Merkwürdigkeiten der Buchbranche gehört es, dass gleich mehrere Verlage Interesse an diesem Thriller hatten, es aber dennoch nie zu einem Abschluss kam. Nun möchte ich den Text gründlich überarbeiten, schließlich habe ich in zweieinhalb Jahrzehnten einiges über das Schreiben gelernt. Und dann mache ich noch einen Versuch, es an einen Verlag zu bringen. Erscheinen wird es auf jeden Fall – entweder im Verlag oder im Selfpublishing.


Glyphe_Die_Nacht_der_Goetter.png, 3,2MB


Eher wird aber wohl Die Nacht der Götter kommen, obwohl ich dieses Manuskript erst danach angehen werde. Zur Erinnerung: Die Geschichte, in der die Ägyptomanie im London des Jahres 1903 im Zentrum steht, habe ich Anfang dieses Jahres geschrieben. Eine Politur braucht sie noch, dann veröffentliche ich sie in ähnlicher Form wie Gottes Ebenbilder; eventuell lasse ich aber das Hardcover weg. Ich denke, das eBook könnte im November erscheinen.


Da ich selbst gern Podcasts höre, überlege ich schon geraume Zeit, selbst in dieser Richtung aktiv zu werden. Mein Gedanke ist dabei, ein Thema aus einem kontroversen oder zumindest ungewöhnlichen Winkel zu betrachten und zum Abschluss darauf hinzuweisen, in welchem meiner Bücher dieses Thema eine Rolle spielt. Das soll aber nur eine Art Abschlussbemerkung sein, jede Podcastfolge soll für sich einen Denkanstoß liefern. Ich kann mir auch vorstellen, ab und zu einen Gast hinzuzunehmen.

Wann ich das umsetzen werde? – Wenn ich mir Zeit dafür freischaufeln kann. Also im tiefsten Winter. Hoffentlich.


Falls Eure Erntezeit dazu führt, dass Ihr Euch Muße für ein gutes Buch sichert, freut mich das. Umso mehr, wenn mein Autorenname auf dem Cover dieses Buches steht.



Robert CorvusBernard Craw



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