Epistula Corvi LXII
Liebe Leserinnen und Leser,

seit ich vor vierzehn Monaten mein Erbe angetreten habe, treibt mich der Gedanke um, das Anwesen mit Saal und Nebenräumen zu nutzen, um die Literatur zu feiern. Dabei denke ich auch an Schreibworkshops und ein offenes Mikrofon, vor allem aber an eine Lesungsreihe, bei der ich Autorinnen und Autoren, die mich beeindrucken, erfreuen oder sonst wie interessieren im Wortsinne eine Bühne bieten kann.
Unter dem Titel Literatur im Lindenwirt habe ich dieses Vorhaben in den vergangenen Wochen vorangetrieben. Förderanträge sind gestellt, Autorinnen und Autoren für einen Auftritt gewonnen. Das Spektrum reicht von Science-Fiction und Fantasy über Krimi und Reiseliteratur bis zu Kinderbuch und Lyrik. Ich bin gespannt darauf, welches Publikum ich damit anziehen und welche Angebote besonders gut ankommen werden.
Den Auftakt am 21. Mai werde ich selbst bestreiten, danach wird es bis zum Oktober an jedem zweiten Donnerstag im Monat eine Lesung geben.
Für Informationen und Tickets habe ich eine Webseite erstellt.
Ich würde mich freuen, viele von Euch begrüßen zu dürfen!
Was war
Seit der vorigen Epistula Corvi war ich im Schreibtunnel, um mein neues Manuskript Die Nacht der Götter zu verfassen. Es geht ins London des Jahres 1903, wo ein ganz besonderes Fieber grassiert: die Ägyptomanie ...

Diese Arbeit war für mich in zweifacher Hinsicht eine Premiere:
Diesmal habe ich keine eigene Welt für meine Fantasygeschichte entworfen, sondern sie in einem historischen Setting angesiedelt – Urban Fantasy nennt man das, oder spezieller: Gaslight Fantasy. Meine Protagonistin Astra, die achtzehnjährige Tochter eines Museumsdirektors, bewegt sich durch die Straßen der wohlbekannten Stadt an der Themse, während sie nicht nur ihre Welt gegen altertümliche Entitäten verteidigt, sondern auch ein unerhörtes Geheimnis aus ihrer ganz persönlichen Vergangenheit aufdeckt. In Summe eine für mich ungewöhnlich sanfte Geschichte.
Die zweite Neuerung für mich war der massive Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu Recherchezwecken. Es ist erstaunlich, was ChatGPT über Architektur und Straßenverläufe, Sitten und Konventionen, wissenschaftliche Entdeckungen und mystische Annahmen, wie sie kurz nach dem Tod Queen Victorias üblich waren, herausfinden und passgenau aufbereiten kann. Kein einziger Satz im Manuskript wurde von der KI generiert, aber das Gerüst, auf dem das Sichtbare aufgezogen ist, wurde mit ihrer Hilfe geschweißt. Für mich ist dabei das entscheidende Kriterium, das Leseerlebnis für mein Publikum besser zu machen – und ich denke, das kann ich durch die Fülle historischer Details erreichen.
Das zweite Großprojekt der vergangenen Wochen war die Organisation der Lesungsreihe Literatur im Lindenwirt, mit der ich mein ererbtes Anwesen für meine schriftstellerische Tätigkeit nutzen möchte. Schließlich habe ich einen Saal mit Bühne sowie einige kleinere Räume, die perfekt für Kulturveranstaltungen nutzbar sind – gerade weil es keinen Wirtschaftsbetrieb gibt, mit dem eine Interessenabwägung stattfinden müsste. So soll es ab Mai bis Oktober monatlich eine Lesung geben, im September zusätzlich eine spezielle Kinderlesung. Die Unterstützung aus dem Dorf ist groß, die infrage kommenden Förderinstitutionen stehen meinem Ansinnen aufgeschlossen gegenüber und erweisen sich bei der Antragstellung als hilfreich. Das macht Spaß.
Die Förderanträge haben mir auch geholfen, für mich selbst klar zu strukturieren, wie die Veranstaltungsreihe aussehen soll. Welchen Ablauf stelle ich mir für einen Lesungsabend vor, welche Technik brauche ich, solche Dinge.
Kern jeder Veranstaltung sind natürlich die auftretenden Autorinnen und Autoren. Schön ist, dass ich die Lesungsreihe abwechslungsreich besetzen konnte. Ich freue mich auf jede und jeden einzelnen davon.
Mit der Vorbereitung der Lesungsreihe einher geht auch eine Vernetzung in der lokalen Kulturszene. Ich war auf der OSNA-Buch und bei einigen Lesungen in Osnabrück, konnte Kulturträger, Kolleginnen und Kollegen kennenlernen. Das ist ein Anfang, auf dem ich aufbauen möchte.
Was ist
Derzeit beschäftige ich mich mit Steuerthemen und telefoniere mit Finanzämtern (Plural), um die komplexe Situation nach dem Erbe korrekt abzubilden. Glücklicherweise gehöre ich zu den wenigen Menschen auf diesem Planeten, die sich gern mit solchen Fragestellungen auseinandersetzen. Für mich ist eine Steuererklärung auch immer ein Revue passieren Lassen des vergangenen Jahres.
Aktuell laufen die Vorbereitungen für die Literatur im Lindenwirt. Mein Saal stammt aus dem Jahr 1965 – klar, dass die Bühnentechnik nicht auf dem neuesten Stand ist. Abhilfe ist bestellt und auf dem Weg.
Die LiLi-Webseite ist online und offen für Ticketbestellungen – ein erster Sensor dafür, mit welchem Publikumszuspruch ich rechnen darf.
Da mein Veranstaltungsort eine ehemalige Dorfgaststätte ist, habe ich mich entschieden, statt der üblichen Flyer auf Bierdeckel als primäres Werbemittel zu setzen. Sie sind aktuell in Produktion.
Ich hoffe, dass man in den Verlagslektoraten wohlwollende Blicke auf Die Nacht der Götter wirft und bin gespannt auf die Reaktionen.
Da es in den vergangenen Monaten keine Neuerscheinungen von mir gab, haben meine Patrons keine Post von mir bekommen. Damit sie mich nicht vergessen, lasse ich gerade Aufnäher produzieren. Mein Pilotversuch – für den Unterstützungslevel ›Schreibrabe‹ – ist bereits fertig, die anderen folgen. Wer sich nach einem schmucken Raben-Aufnäher sehnt, kann sich bei Patreon einschreiben – ich habe eine leichte Überproduktion geordert, um auch Neu-Unterstützer bedenken zu können.
Was wird

Für den April sind meine zwei letzten Beiträge zur Serie PERRY RHODAN angekündigt:
- 3. April 2026: Familienbande (Band 3372)
- 24. April 2026: Hetzjagd durch die Milchstraße (Band 3375)
Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, einige Manuskripte, die teils seit vielen Jahren auf meiner Festplatte liegen, zu veröffentlichen. Dazu ist eine gründliche Überarbeitung nötig. Danach werde ich fallweise entscheiden, auf welchem Wege die Geschichten am besten zur Leserschaft finden können.
Mein Hauptfokus liegt aber auf der Premiere meiner Lesungsreihe am 21. Mai. Vielleicht habt Ihr Lust, dabei zu sein und nebenbei den Ort kennenzulernen, an dem neben meinen Geschichten auch die Epistula Corvi entsteht.
Jedenfalls wünsche ich Euch allzeit ein gutes Buch in Griffweite. Falls es sich um einen meiner Titel handelt, freut mich das besonders.
Robert Corvus – Bernard Craw


